Phoenix und so.

Pfuh… es ist garnicht so leicht, eine Website komplett in die Tonne zu kloppen, wenn diese seit 2000, also gut acht Jahre, mehr oder minder im gleichen Look online war. Ob der unterkühlte Look der Seite der Musik angemessen war (unser Geheimfan im Norden bOOgie prägte damals den Begriff „Klokachelblau“), mag dahin gestellt sein, ebenso, ob eine nicht gerade intuitive Hauptnavigation, komplett in Flash gebaut, das Non-Plus-Ultra von Usability darstellt. In Teilen ist die alte Seite noch auf archive.org zu finden.

Immerhin hatten wir sehr früh so etwas ähnliches wie ein Blog am Start, unser Bandtagebuch, in dem jeder von uns so seine Gedanken und Fundsachen loswerden konnte. Es gab auch einiges zu schreiben, vor allem nachdem in unseren Proberaum eingebrochen wurde und wir über die Osterfeiertage 2001 fast unser komplettes Equipment verloren – nach unserem ersten Auftritt mit neuem Bassisten, der bei dem Einbruch leider ein nahezu unersetzliches altes Ampeg SVT Röhrentop verlor.

Das regelmässige Schreiben und vor allem der Blick für Dinge, über die man schreiben könnte, haben später dazu geführt, dass sowohl Franz als auch Tom ihr eigenes Blogding etablierten.

Nachdem nun pøpsicle fast zwei Jahre nur aus Franz und Tom bestand, gibt es 2008 endlich wieder die volle Bandbesetzung mit Konstantin an den Drums und Roland am Bass. Und eine neue Website. :-)

 

The Hellacopters – Head Off

Da ist sie nun also, die letzte Pladde der Höllenschrauber. Das die Urgesteine des Scandinavian Rocks sich auflösen, war schon Ende letzten Jahres klar. Dass sie als Abschiedsgeschenk eine CD mit lauter Coverversionen hinterlassen, lest sich erstmal merkwürdig. Aber. ABER: Ohne diese Info (also dass es sich um Stücke anderer Bands handelt) würde man es nicht merken. Jeder Song auf der Pladde klingt, als sei es ein „echter“ Hellacopters-Song. Da freut sich mein kleines Rocknrollerherz und der Abschied fällt trozdem schwer.

 

Gute Besserung

Als verwöhnte und verzogene Hauptstadtgöre konnte ich mir nie vorstellen, dass großartige Musiker oder Sänger nicht aus Berlin kommen würden.Angefangen in den Siebzigern – ich will jetzt nicht noch weiter zurückgehen und alle Künstler aus den Roaring Twenties aufzählen – mit der Berliner Schule und Künstlern wie Klaus Schulze und Tangerine Dream, die den Grundstein für Trance und Goa legten. Ende der Achtziger Jahre beherrschte die Band Plan B mit einer Mischung aus EMF, INXS und Primal Scream die Berliner Unis und die damals angesagten Clubs wie das Loft. Ihr letztes Album „Cyber Chords And Sushi Stories“ nahmen die Jungs 1993 in New York City auf, was für eine deutsche Band in dieser Zeit schon ein Ritterschlag war, zumal Plan B in Deutschland nur einem relativ ausgewähltem Publikum bekannt war. Hörbeispiele und kleine Anekdoten gibt’s hier  Die Ärzte darf man auch nicht vergessen, wenn man von großen Musiker aus Berlin (aus Berlin) schreibt. Und am Ärzteschweif hängen die Beatsteaks und an denen wiederum ein Dutzend unbekannter, guter Rockbands, die den Sprung verdient hätten, es aber niemals schaffen werden und sich deshalb spätestens nach dem dritten Versuch nach den Sternen zu greifen auflösen. So war das in Berlin schon immer, sagt man. Und nun das: Konstantin (ausgerechnet Konstantin) Gropper aus Oberschwaben, genauer gesagt Erolzheim 

 

 Dieser 1982 (1982!!!) geborene Musiker (Popakademie Mannheim) hat es tatsächlich geschafft ein sehr gutes, ich sollte mich zurückhalten, Album mit seiner Band einzuspielen, bei dem man zwar konzentriert zu hören muss (gestern in der Bahn musste ich schnell auf die Rockplaylist umspringen, um nicht die lauten Mitfahrgäste anzugehen), diese Konzentration einen aber immer wieder neue Töne, Strukturen und versteckte Melodien in den Liedern entdecken lässt. Für so einen jungen Kerl schon beachtlich. Also auf jeden Fall mal reinhören und dann wahrscheinlich auch kaufen. 

 

Kelly Clarkson

Ich gehe ja gerne auf Konzerte. Und ich lese auch sehr gerne die dazugehörige Kritik im Feuilleton, falls überhaupt drüber berichtet wird.Ich stehe nicht auf Kelly Clarkson – ganz im Gegenteil. Nicht, dass ihr Sieg bei der ersten Staffel von American Idol sie schon unsympathisch genug machen würde. Ihre Musik ist einfach scheiße.Wie nett, dass auch die F.A.Z. meine Meinung teilt, diese doch auch noch in elegante Worte hüllen kann:

Nicht nur Schlager spenden Trost aus großen Eimern:
Schickt man sich an, ein Konzert der texanischen Sängerin Kelly Clarkson zu besuchen, so erwartet man hier eine munter aufgekratzte Ansammlung von Fans zwischen sechzehn und zweiundzwanzig. Clarkson, selbst fünfundzwanzig, ist die Gewinnerin der ersten Staffel der amerikanischen Castingshow und somit der quintessentielle öffentlich ausgebildete Popstar dieses Jahrtausends. Seit der Sendung hat sie drei erfolgreiche Alben veröffentlicht und sich vom blonden Nachbarsmädchen in ein romantisches Rock-Hühnchen verwandelt, das in letzter Zeit bevorzugt in samtenen Gewalle vor umherliegenden Laub fotografiert wird.
Nachdem sie auf ihrem zweiten Album hübschen Familienpop mit lehrbuchhaften Wettbewerbsgewinner-Balladen kombinierte, liefert die letzte Platte leider nur noch Kinderrock mit hohem „Loudness“-Faktor; alles knapp unter der Oberkante entlangproduziert und akkustisch gleichgeschaltet. Dazu lässt die Sängerin ihre perfekt ausgebildete Stimme zunehmend nur noch auf einem einzigen Energielevel dröhnen. Das Ergebnis: unnuancierte Musik für eine unnuancierte Welt. Aber dass Pop Trost durch Konfektion spendet, gab es schon immer, kein Grund für kulturpessimistisches Geknatsche. Betrachten wir also Frau Clarkson vor dem Hintergrund ihrer selbstgewählten Grenzen – beziehungsweise jener, die ihr das Management absteckt.
Vor dem Kölner Palladium herrscht am Donnerstagabend Ruhe: keine Rumlungerer, keine verzweifelten Kartensucher, keine wartenden Eltern in Autos. Und auch beim Betreten der Halle muss man erst einmal umdenken: Drinnen stapeln sich keinesfalls weinende Teenager. Es sind – vom Mädchenpulk direkt vor der Bühne abgesehen – mehrheitlich allen Trends und Szenen erfolgreich von der Schippe gesprungene Menschen zwischen dreißig und vierzig, die sich in der ordentlich gefüllten Halle eingefunden haben. Mit dem letzten Akkord von AC/DCs „You shook ma all night long“ geht das Hallenlicht aus, und Clarksons Stimme ertönt hinter dem Vorhang.
Mit dem schattierungsfreien Rocksong „One minute“ startet Kelly Clarkson einen Auftritt, der neunzig Minuten lang klarmacht, wozu diese Musik dient: als musikalisches Rückzugsgebiet, vor allen anstrengenden Hipness-Tendenzen und Genre-Explosionen der letzten fünfzehn Jahre. Kelly Clarkson bringt ihr Publikum in Sicherheit vor all dem freilaufenden Wahnsinn, den Nirvana, Oasis, der verrückte R&B, Hip-Hop und die seltsamen Indie-Gestalten seit etwa 1992 veranstaltet haben. Die Referenzpunkte dieser Musik sind ehemalige Mainstream-Stars wie Melissa Etherdige, Bryan Adams oder Robin Beck.
Für einen Casting-Star fällt Clarksons Bühnengebaren dazu erstaunlich – manche würden sagen: erfrischend – schlicht aus. Sie sieht eher aus wie das freundliche Fachpersonal im Internetcafe um die Ecke. Fast schon ängstlich klammert sie sich an ihren Mikrofonständer. Sobald die Musik sich mehr in die Nähe zupackenden Rocks bewegt – und das tut sie häufig -, springt Clarkson rhythmisch auf und ab. Immer wieder brüllt sie unmotiviert „Whooooaaa“ uns salbadert liebenswert uneinstudierte Unsinnsansagen daher: „Das nächste Stück ist mein Lieblingssong“, „Jetzt kommt der Favorit meiner Mutter“, „Das hier ist meine persönliche Lieblingsballade“ et cetera. Das ist im Wesentlichen alles. Erst beim fünften Song „Addicted“ bewegt sich die Sängerin fünf Meter von der Bühnenmitte weg, allerdings nur, um schelunigst wieder zurückzuschlendern. Ihre unterforderten Mitmusiker krümmen sich dazu an ihren Instrumenten, als hätten sie soeben erst erfolgreich das Seminar „Abgehalfterte Rockposen“ absolviert.
Plötzlich senkt sich ein Vorhang hinab. Kurz bekommt man Angst, dass jetzt doch noch etwas Unvorhergesehenes passieren könnte, aber es folgt nur eine Ballade, vermutlich der Lieblingssong der Mutter ihrer Haushälterin. Von etwas wie „Stimmung im Saal“ kann man außerhalb des vordersten Pulks nicht sprechen. Aber niemand hier scheint allzu viel zu erwarten., was sehr gut zu dem technisch perfekten Autohauseröffnungspop passt. Clarksons Auftritt zeigt: Klassischer Mainstream ist zum artenschutzbedürftigen Genre geworden. Und dies wohlgemerkt in einer Zeit, in der kein populäres Genre und kein Musiker mehr Aufrüttelung im Sinn haben. Hier und heute kann man nur sagen: Mission erfüllt.

(aus der F.A.Z. vom 7. April 2008)

 

Quote of the Day

File under „So You Want To Be A Rock ’n‘ Roll Star“:

That image of myself soused in champagne being devoured by lusting women in a luxury hotel suite was the pinnacle of my rock and roll excesses. I thought as a rock star, I owed it to people to enjoy myself to the absolute limit

– Blur bassist turned farmer Alex James writing in his book A Bit Of A Blur.