Must have

Nicht, dass das auch hessischer Slang für „Musste haben“ ist, nein, es gibt doch immer wieder Menschen – immer öfter in meiner Umgebung – die meinen zu wissen was ich essen, hören, lesen oder sogar tun muss. Zum Beispiel Datteln im Speckmantel essen (die waren aber wirklich sehr lecker) oder auf jeden Fall die neue Goldfrapp hören. Dieses oder jenes Buch lesen oder den einen oder anderen Film sehen.  Natürlich wehre ich mich vehement dagegen und habe zum Beispiel erst heute mit einem Buch angefangen, das ich vor einem halben Jahr mit solchen Worten umgarnt geschenkt bekam. Nach dem ersten Kapitel muss ich auch eingestehen, dass es ziemlich gut ist. Doch diese Erfahrung mache ich lieber selbst, als sie mir von anderen im Vorfeld vermitteln zu lassen. In der Regel meinen die Menschen solche Ratschläge überhaupt nicht so, wie ich sie auffasse. So ist das nunmal mit Meinen, Sagen, Hören und Verstehen. Wenn mir jetzt zum Beispiel der Franz empfiehlt, ich sollte mit mal die neue Platte von Soundso anhören denn die wäre ja wahnsinnig gut, dann gehe ich ja schon etwas voreingenommen in den iTunes Shop (wahlweise auch Plattenladen) und bin dann umso mehr enttäuscht, wenn es mich gar nicht so berührt, wie es den Franz berührt zu haben schien. Mit einem Buch wird es sich ähnlich verhalten: Das Buch von Dingsda ist total interessant und ich habe Dies und Das so und so verstanden und, jetzt kommt’s: Das musst du gelesen haben.  Ist mir ja auch vollkommen neu, dass andere Menschen wissen, was gut für mich ist und was ich alles tun muss. Da kann ich mein Gehirn ja gleich an die Positronenforschung verscherbeln und lasse die anderen für mich fühlen, denken und handeln. Das ist übrigens auch ein Buch was jeder gelesen haben muss.   In diesem Sinne… 

 

Leserbriefe

2 Reaktionen zu “Must have”

  1. Tja, so isses, wenn Anglisten Bücher empfehlen, wir haben ja auch einen klar umrissenen Kanon.
    Jetzt mal im Ernst, niemand glaubt doch echt, daß einem anderen etwas genauso gut gefällt/gefallen muß wie einem selbst. Sind doch nur wohlmeinende Empfehlungen; und bei Freunden, deren Geschmack ich gut kenne, liege ich meist richtig.
    Und wem es dann immer noch nicht gefällt, der hat halt keinen Geschmack ;-)

  2. Du liegst auch richtig, lieber Franz. Das Buch hat mich in seinen Bann gezogen. Ich denke doch schon, dass einige Mitmenschen von ihrem Geschmack so überzeugt sind. Womit wir wieder bei Meinen, Sagen, Hören und Verstehen wären.
    Ich habe lediglich mit Verpackung des wohlmeinenden Gedankens ein Problem, nicht mit dem Gedanken an sich.